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Freundlich aus Angst vor Gewalt

die Bambi-Reaktion und wie sie entsteht

Fight, Flight oder Freeze – das sind die drei bekannten menschlichen Reaktionen auf Stress. Es gibt jedoch noch eine vierte, bisher viel weniger bekannte Reaktionsweise: das Fawning - auch als Fawn-Response, Bambi-Modus oder Rehkitz-Reaktion bezeichnet. 

 

Menschen, die für längere Zeit einer für sie nicht zu bewältigenden Situation ausgesetzt waren, können aufgegeben haben. Sie ergeben sich an ihre Umgebung, die sie für ihr Schicksal halten. Die Reaktion des Aufgebens bzw. Sichergebens wird vom Parasympathikus gesteuert, dessen ursprüngliche Aufgabe es ist, dafür zu sorgen, dass wir uns entspannen können. Im Fawn-Modus verliert der Körper jegliche Spannung und Energie. Für Flucht und Kampf fehlen die notwendigen Ressourcen. Der Fawn-Response beschreibt eine Reaktion, die über eine zeitlich begrenzte Freezing-Reaktion (temporärer Totstellreflex), hinausgeht. Menschen geben sich selbst komplett auf, existieren jedoch weiter. Wie kommt es dazu?

 

Zwischen Kindern und Eltern besteht unbestritten ein Abhängigkeitsverhältnis. Babys und Kleinkinder sind gezwungen mit den Menschen zu leben, die sie in ihrer Umgebung vorfinden - und das obwohl diese sie lieblos behandeln, sie demütigen oder ihnen sogar körperlichen Schmerz zufügen. Der menschliche Überlebensdrang hilft Betroffenen dabei, sich reflexartig für eine Bewältigung der Situation zu entscheiden. Ist eine bestimmte Handlungsoption durch wiederholte Anwendung als funktionsfähig erachtet worden, benutzt das kleine Wesen sie auch im weiteren Leben noch – selbst wenn das Umfeld ein völlig anderes ist und man selbst inzwischen erwachsen. Allerdings kann es auch sein, dass solche Menschen immer wieder mit ähnlichen Menschentypen in Kontakt kommen (Traumatic-Bonding). Sie stellen so (unbewusst) genau das Klima her, welches ihnen bereits aus ihrer Kindheit bzw. ihrer Herkunftsfamilie vertraut ist (Familienathmosphäre). Wir nennen das auch unbeabsichtigetes Bewegen auf einer bestimmten Schwingung/Frequenz, dessen Folge jedoch immer die entsprechend passende (energetische) Resonanz ist. Es kommt zur Re-Inszenierung des Ursprungstraumas und zwar so lange, bis dieses gelöst wurde (siehe dazu auch Traumaarbeit.

 

Zurück zu den Bewältigungsmechanismen: Kampf ist für Babys und Kleinkinder definitiv aussichtlos, Flucht nur nach innen möglich. Bleibt eine kurzzeitige Erstarrungsreaktion oder eben der Fawn- bzw. Bambi-Response. Fawning als Überlebensstrategie auserkoren, bedeutet (unverhältnismäßige) Anpassung an die äußeren Umstände, vor allem jedoch an die Bedürfnisse der Menschen, die sich im aktuellen Umfeld aufhalten. Darüber hinaus beinhaltet Fawning die eigene, bedingungslose Unterordnung bis hin zur völligen Unterwerfung (Selbstaufgabe). Menschen, die diesen Überlebensmodus als nützlich befunden haben, versuchen fortan so freundlich und entgegenkommend wie nur irgend möglich zu wirken so dass Ihnen niemand „böse“ sein kann. Ich schreibe hier bewusst wirken, denn sie sind es ja tatsächlich nicht immer – kein Mensch kann das. In Wahrheit sind solche Menschen oft zutiefst verbittert. Denn sie verleugnen einen wichtigen Teil ihres Selbst. Während Menschen mit ausgeprägter narzisstischer Struktur die Aufmerksamkeit und die Bühne suchen, sind „Bambi-Menschen“ bemüht, möglichst wenig bis keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sie erwarten stets, dass sie verbale, emotionale Gewalt z.B. durch Demütigung erfahren. Je nach Vorerfahrung erwarten sie auch körperliche / sexualisierte Gewalt. In der Psychologie wird das  Belohnungs- und Straferwartung genannt. Das Kind vermeidet Unmut bei seinen Eltern auszulösen – der Erwachsene bei s.g. Autoritätspersonen, z.B. Vorgesetzten.

 

So paradox das jetzt auch klingen mag: die kindliche Annahme ist, selbst Auslöser für das Verhalten der Erwachsenen zu sein. Deshalb tragen viele Menschen, die als Kind in Beziehungen physische und/oder psychische Gewalt erfahren haben, auch als Erwachsene noch ein hohes Maß an Scham- und Schuldgefühlen in ihrem imaginären Rucksack mit sich herum. Unbearbeitet zeigen diese Gefühle so auch im Erwachsenendasein in völlig anderen Kontexten noch Wirkung (energetische Resonanz) - können jedoch durch professionelle Reflexion sehr gut neu eingeordnet werden. 

Not macht erfinderisch

der Fawn-Response als intelligente Überlebensstrategie

Kindseitig besteht immer eine Bindung zu den Eltern, insbesondere zur Mutter, die es ja auch physisch, z.B. durch das Anlegen an die eigene Brust, versorgt. Als kleines, abhängiges und bedürftiges Menschenkind, sind wir jedoch auch auf die Liebe und Fürsorge unserer Eltern bzw. Erziehungsberechtigten angewiesen. Somit sind wir gezwungen, eine Strategie zu finden, mit der wir am meisten Bindung erzielen und Zuwendung bekommen und am wenigsten Gewalt erleiden müssen.

 

Es kann also durchaus eine sehr intelligente Strategie sein, immer freundlich zu sein – oder später auf jeden Fall so zu wirken. Es kann in verschiedenen Situationen wichtig sein, herauszufinden, wie man sich verhalten muss, um keine Gewaltreaktion auszulösen. In Elternhäusern, in denen es verbale, emotionale und körperliche Gewalt gibt, versuchen Kinder stets die Stimmung ihrer Eltern oder des gewalttätigen Elternteils zu erspüren.

Die betroffenen Kinder haben gelernt, sich möglichst unsichtbar zu machen, sich freundlich und hilfreich zu geben damit sie überleben. Der Preis dafür ist hoch, denn diese Menschen neigen zur Selbstaufgabe. Mit ständigem Hintenanstellen der eigenen Bedürfnisse kommt es möglicherweise sogar zu einem Identitätsverlust. Arno Gruen beschreibt diesen Zusammenhang ausführlich in seinem Buch „der Verrat am Selbst“ – die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau. Diese Menschen müssen im Erwachsenalter zunächst lernen, wer sie selbst überhaupt sind, was ihnen gut tut und was nicht. Mehr Informationen dazu unter Selbstfürsorge bzw. intelligent SelfCare.

 

Es kann aber auch sein, dass diese Menschen die eigene Identität, die ein Aspekt unseres ganzheitlichen Selbsts ist, noch nicht einmal kennengelernt haben. Sie haben viel zu früh gelernt, sich anzupassen und immer „lieb“, unterwürfig und ergeben zu sein bzw. sich beschwichtigend zu verhalten. S.g. „Bambi-Menschen“ laufen Menschen lächelnd durch die Welt, fühlen sich gleichzeitig leer, einsam und wissen im Grunde gar nicht, wer sie überhaupt sind – geschweige denn was sie sich vom Leben wünschen, erhoffen oder erträumen (dürfen).

Der Preis ist hoch - die Folgen des Bambi-Reflexes

Sowohl für die Betroffenen als für Angehörige in neuen Beziehungskonstellationen führt dieses überangepasste Verhalten zu unterschiedlichsten Schwierigkeiten - mit Sicherheit jedoch zu Irritation. Beziehungspartner können völlig unterschiedlich reagieren - das hängt auch von deren individuellem Lebensstil ab. Aber auch im übergeordneten, gesellschaftlichen Kontext ist solch ein Verhalten hochgradig destruktiv. Denn es beinhaltet auch hier verleugnen, beschwichtigen, wegducken und mitmachen. 

 

In der Regel erscheinen diese Menschen in ihrer Umgebung einfach nett und freundlich - daran ist ja zunächst auch nichts auszusetzen. Da sie selten Rückmeldungen zu ihrem Verhalten bekommen, z.B. dass sie vielleicht unverhältnismäßig nett sind, merken diese Menschen selten, dass sie sich selbst schaden. Ganz im Gegenteil: für die Menschen in ihrem Umfeld ist das an den Tag gelegte Verhalten oft sehr praktisch, da stets die Wünsche und Bedürfnisse des Gegenübers im Mittelpunkt - man selten Grenzen gesetzt oder ein Nein zu hören bekommt. Das größte Problem ist jedoch, dass Betroffene sich selbst nicht spüren. Es ist für sie unvorstellbar schwer, eigene Wünsche und Bedürfnisse zu formulieren. Diese Menschen sind extrem gut darin, das Befinden anderer zu eruieren, schließlich ist das DIE Kompetenz, die sie entwickelt haben weil sie zu ihrer Überlebensstrategie gehörte. Was ihnen fehlt ist der Zugang zu ihrer eigenen Innenwelt. Es ist für sie zur Selbstverständlichkeit geworden, sich in Sekundenschnelle auf die Personal Belongings ihrer Beziehungspartner einzustellen. Erst darüber nachzudenken, kommt ihnen erst gar nicht in den Sinn. Dafür halten andere die vom Fawn-Response Betroffenen für ganz wundervoll – weil sie den Umgang mit ihnen so leicht, harmonisch und aufmerksam zugewandt erleben. Das erklärt im Übrigen die Entstehung von Co-Abhängigkeit und weiteren ungesunden Beziehungsmustern. Insbesondere für Narzissten (im pathologischen Sinne) sind Betroffene ein gefundenes Fressen. Somit erleben Menschen mit der Rehkitz-Stress-Reaktion die unmittlebare Re-Inszenierung der selbstschädigenden Beziehungsmuster der Ursprungsfamilie. Die Destruktiv-Spirale beginnt von Neuem. 

 

Emotion = Energy in Motion, also Energie in Bewegung. Zurückgehaltene Gefühle sind gestaute Energie und gestaute Energie kann aus Sicht z.B der TCM oder auch der Psychokinesiologie eine weitreichende Ursache für diverse körperliche Sysmptome oder somatische Schmerzen darstellen. Sie kann maßgeblich zur Entstehung von psychischen und physischen Krankheitsbildern beitragen.

 

Das wiederholte Zurücknehmen von eigenen Gefühlen um der befürchteten Gewalt – ausagiert durch die Wut oder Gefühllosigkeit der Bezugsperson - zu entgehen, führt dazu dass Kinder und spätere Erwachsene, diese Gefühle oft gegen sich selbst richten. Basis dafür bietet die Selbstverurteilung als Folge der Selbstverleugnung und darauf folgt die Selbstbestrafung als Konsequenz. Das (unbewusste) Mittel der Wahl ist autoaggressives Verhalten. Hierzu zählen ALLE Formen der Selbstschädigung. Viele davon gelten in unserer heutigen Gesellschaft als angesehen und erstrebenswert - werden sogar als Statussymbole gehandelt wie z.B. Tätowierungen, Piercings, Drogenkonsum jeglicher Art (Alibi: Bedarf zu medizinischen Zwecken), Rauchen, Alkoholismus, bestimmte sexuelle Praktiken, risikoreiche Extremsportarten etc.)

 

Zu dieser komplexen Gemengelage kommt erschwerend hinzu, dass selbst in professionellen Kontexten der Berater, Coach oder Psychotherapeut nicht erfasst, dass das Gegenüber in einem chronisch gewordenen Erstarrungsmodus oder im Fawn Response gefangen ist. Selbst die meisten traumainformierten Menschen glauben, dass dies zeitlich bedingte Phänomene sind. Auch ich selbst habe das lange Zeit gedacht, obwohl ich ausgebildete Traumapädagogin bin. Erst durch meine Fortbildung in Psychokinesiologie wurde mir klar, dass viele Menschen jeden Tag in diesen Zuständen leben, oft ohne dass sie sich das bewusst sind – ganz einfach deshalb weil sie es nicht gar nicht anders kennen

die freiwillige Knechtschaft aufgeben

Erste Schritte aus dem Fawn Response

Menschen, die sich (unbewusst) für diesen Überlebensmechanismus entschieden haben, treibt erfahrungsgemäß die Angst um, dass sie etwa unfreundlich auf andere wirken und diese sie daraufhin ablehnen bzw. als Feind betrachten (Freund-/Feindabgleich). Darüber hinaus befürchten sie, dass sie sich mit klarer Kommunikation, welche ggf.  auch ein NEIN beinhaltet, tatsächlich nicht gegen die vermeintliche Übermacht behaupten können. Diese Menschen müssen lernen, dass es tatsächlich keine 100%tige Kotnrolle gibt, dem Unmut anderer immer zu entgehen und dass menschliche Gegenreaktionen heute in den wenigsten Fällen wirklich existenzbedrohend sind.

Menschen dürfen und sollen selbstverständlich freundlich sein. Sie dürfen sich aber auch einfach neutral verhalten, wenn es tatsächlich mal nichts zum Lächeln gibt. Es gibt Situation, die traurig machen oder wütend und dann  ist es auch sinnvoll, seinen eigenen Ärger - geeigneter Stelle - Luft zu machen. Niemand ist gleich automatisch unhöflich, weil er oder sie Respekt für die eigenen Grenzen einfordert.  Im Gegenteil wenn jemand ständig JA sagt, jedoch eigentlich NEIN meint, ist die Enttäuschung erst recht groß.

 

Du möchtest Dir ein anderes Reaktionsmuster jenseits des Bambi-Reflex' erschließen? Geh' dafür zunächst in die Selbstbeobachtung. Beginne, Deine Mimik und Gestik ganz zu bewusst aber spielerisch wahrzunehmen. Was ist Dir wichtig, das Du zum Ausdruck bringen willst? Werde Dir bewusst, dass der Fawn Response "nur" ein gewohntes Verhaltensmuster ist, welches Du Dir in der Kindeheit aus der Not heraus zugelegt hast (Selbstkonditionierung). Konditionierungen lassen sich "aufweichen" indem man sie von ihren ursprünglichen Reizen (Trigger) trennt. Nimm Dir dafür Zeit. Bringe Geduld für Dich auf, wenn dies nicht immer sofort klappt und Du in alte Verhaltensmuster zurückfällst. Sei nachsichtig mit Dir und entwickle ein entsprechend hohes Maß an Selbstliebe. Lass Dich bestenfalls eine Zeit lang durch einen erfahrenen und kompetenten psychologischen Berater, systemischen Coach, Psychotherapeuten und oder Traumapädagogen begleiten. 

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